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Haaranalytik

Clenbuterol in Haarproben von Athleten

Üblicher Weise werden für die Dopinganalytik Urin- und Blutproben als Untersuchungsmaterialien genutzt. Haarproben eignen sich grundsätzlich nicht als Alternativmatrix für die Dopinganalytik, da methodisch bedingt kein allumfassendes Screening durchführbar ist, nicht alle verbotenen Substanzen in die Haare eingelagert werden und keine Unterscheidung zwischen Wettkampf- und Trainingsphasen erfolgen kann. Bei Haaruntersuchungen handelt es sich prinzipiell um die Zielanalytik auf eine begrenzte Anzahl spezifischer Substanzen ( siehe Auftragsanalysen>Haaranalysen).

In Ausnahmefällen kann jedoch auch im Bereich der Dopinganalytik die Untersuchung von Haaren indiziert sein. Als wesentlicher Vorteil ist hierbei die Möglichkeit einer Langzeit-Detektion hervorzuheben, die einen zusätzlichen Informationsgewinn, z.B. bei einem positiven Vorbefund im Urin, darstellen kann.

Die Detektion von Clenbuterol in Haarproben zählt seit 2004 zum Akkreditierungsumfang des IDAS. In einem aktuellen Forschungsprojekt soll die Anwendbarkeit des Clenbuterol-Nachweises in Haaren zur Abgrenzung einer unabsichtlichen Aufnahme sehr geringer Clenbuterol-Mengen, z.B. über Nahrungsmittel, gegenüber einer missbräuchlichen Anwendung geprüft werden.

Neben der Interpretation der inkorporierten Substanzmenge, die u.a. von der Haarfarbe abhängt, sind m.H. einer Segmentanalyse außerdem Aussagen zum Expositionszeitpunkt möglich.

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Ergebnisse einer Applikationsstudie

[Schlupp A, Anielski P, Thieme D, Müller RK, Meyer H, Ellendorff F. The beta-agonist clenbuterol in mane and tail hair of horses. Equine Vet J. 2004 Mar;36(2):118-22.]

                          Clenbuterol

                                                                                                 

Stressmarker Corticosteroide

Cortisol und Cortison sind körpereigene Corticosteroide, die unter bestimmten Bedingungen (z.B. Stress, depressive Erkrankungen, Schwangerschaft) verstärkt ausgeschüttet werden. Da die Biosynthese tageszeitlichen Schwankungen unterliegt, sind Blutkonzentrationen schwer interpretierbar. Im Vergleich dazu sollten bei Haarproben die zirkadiane Schwankungen keine Rolle spielen. Verschiedentlich wird in der Literatur die Cortisol-Konzentration in Haaren als geeigneter Marker für die klinische Diagnostik dargestellt, wobei die Messung i.d.R. mit immunchemischen Verfahren erfolgt.

Das Ziel unserer Untersuchungen ist die Etablierung eines hochselektiven LC-MS/MS-Verfahrens zur Quantifizierung von Corticosteroiden in Haaren. Gegenstand der Analyse von endogenen Corticosteroiden in Realproben ist die Erforschung von biochemischen Zusammenhängen bei Erkrankungen und Stresssituationen. Weiterhin interessieren die Mechanismen, die für den Langzeitnachweis in Haaren von Bedeutung sind und bei der Interpretation der Analysenwerte beachtet werden müssen (Inkorporation, Stabilität der Analyten in der Haarmatrix etc.).

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Cortisol
Anandamid

Stressmarker Endocannabinoide

Ein alternativer Mechanismus zur Stressregulation bei physischer und psychischer Belastung besteht in der Ausschüttung von Endocannabinoiden (z.B. Anandamid). Da die Synthese von Endocannabinoiden auch als negativer Regulator von Corticosteroiden fungiert, wird eine simultane Untersuchung beider Parameter angestrebt.

Detektion von synthetischen Corticosteroiden

Neben der Detektion von körpereigenen Glucocorticoiden ist die Analysenmethode zusätzlich auf den Nachweis synthetischer Corticosteroide in Haarproben erweiterbar. Diese Fragestellung ist z.B. für den Dopingnachweis im Pferdesport und zur Aufdeckung von Betrugsfällen in der Pferdezucht relevant.